Farbunterscheidung in Design und Druck — Toleranzen und Prüfverfahren
Wie Toleranzen mit ΔE im Markenfarbmanagement, bei der Druckabnahme und beim Nachmischen von Textil- und Lackfarben festgelegt werden – und welche Normlichtarten, Bedingungen und Prüfverfahren in der Praxis beim Farbvergleich zum Einsatz kommen.
In Berufen, die mit Farbe arbeiten, bedeutet Farbunterscheidung Qualität. In der Praxis verlässt man sich jedoch nicht auf das Auge einer einzelnen Person, sondern kombiniert mit dem Messgerät bestimmtes ΔE und visuelle Prüfung unter Normbedingungen.
Toleranzen sind Vertragswerte
Bei der Lieferung von Markenfarben, Drucksachen, Lackierungen oder Textilien wird oft vereinbart, dass der Farbabstand zwischen Referenzmuster und Lieferung innerhalb eines bestimmten ΔE liegen muss. Den einen richtigen Wert gibt es nicht – die Beteiligten legen ihn je nach Produkt, Verwendungszweck, Preis und Prozessfähigkeit fest.
In der Praxis gelten Werte um ΔE00 1–2 häufig als strenge und ab 2–3 als lockere Toleranz – doch das ist lediglich Gepflogenheit. Wichtig ist, immer drei Dinge mit anzugeben:
- Welche Formel: ΔE*ab, ΔE94, ΔE00, CMC usw. Für dasselbe Farbpaar liefert jede Formel andere Werte.
- Unter welchen Bedingungen gemessen: Lichtart (D50, D65 usw.), Beobachter (2°, 10°), Messmodus.
- Was die Referenz ist: ein digitaler Wert, ein physisches Muster oder die erste Produktionscharge.
Druck: Proof und Normbedingungen
In der Druckbranche werden Proof und Auflagendruck mit dem Farbmessgerät vermessen und in einer Normlichtkabine visuell verglichen. In der grafischen Industrie ist D50 die Bezugslichtart, und ISO 3664 legt die Beleuchtungsbedingungen für den Vergleich von Drucken fest. Beim Softproof – der Vorschau des Druckergebnisses am Bildschirm – wird der Monitor kalibriert und auf dieselben Bedingungen abgestimmt.
Textil und Lack: Vorsicht Metamerie
Bei Stoffen und Lacken wird dieselbe Farbe oft mit unterschiedlichen Farbstoff- oder Pigmentmischungen erreicht. Dann kann es zu bedingter Gleichheit (Metamerie) kommen: Zwei Proben, die unter einer Lichtart gleich aussehen, wirken unter einer anderen verschieden. Deshalb wird in der Lichtkabine unter mehreren Lichtarten verglichen, etwa Tageslicht (D65), Ladenbeleuchtung und Glühlampenlicht (A). In der Textilbranche war lange die Formel CMC(2:1) üblich, die Helligkeitsunterschiede weniger streng bewertet.
Digitales Design: jede Anzeige zeigt andere Farben
Im Web- und App-Design ist es Alltag, dass eine auf einem Bildschirm abgestimmte Farbe auf einem anderen Gerät anders aussieht. Wer in einem Designsystem Farben definiert, sollte neben dem Farbwert auch den Farbraum (sRGB, Display P3) angeben und die Palette in klar unterscheidbaren Stufen anlegen, damit nicht mehrere fast gleiche Farben entstehen. Ist das ΔE00 zweier benachbarter Farben zu klein, sehen Nutzer nur eine Farbe, und die beabsichtigte Bedeutung geht verloren.
Ebenso wichtig ist es, Informationen nicht allein über Farbe zu vermitteln. Erst Helligkeitskontrast, Symbole und Text sorgen dafür, dass Informationen auch Menschen mit Farbsehschwäche und Nutzer minderwertiger Bildschirme erreichen.
Wie das menschliche Auge geprüft wird
Bei Einstellung und Schulung für farbbezogene Tätigkeiten werden standardisierte Farbanordnungstests eingesetzt. Der bekannteste ist der Farnsworth-Munsell-100-Hue-Test: Kappen mit leicht abgestuften Farbtönen müssen in die richtige Reihenfolge gebracht werden, und aus Ausmaß und Richtung der Fehler wird das Farbunterscheidungsvermögen bewertet. Aussagekräftig ist der Test nur, wenn er unter Normlicht nach festgelegtem Ablauf durchgeführt wird.
Bildschirmtests wie HueSense können solche Prüfungen nicht ersetzen. Sie eignen sich aber gut, um die eigenen schwachen Richtungen unkompliziert zu erkennen und unter gleichen Bedingungen wiederholt zu üben und Ergebnisse zu sammeln.
Quellen
- ISO 3664:2009 Graphic technology and photography — Viewing conditions
- CIE 15:2004 Colorimetry, 3rd edition
- Clarke, F. J. J., McDonald, R., Rigg, B. (1984). Modification to the JPC79 colour-difference formula. JSDC 100(4), 128–132
- Farnsworth, D. (1943). The Farnsworth-Munsell 100-hue and dichotomous tests for color vision. JOSA 33(10), 568–578